14. April 2018

Kommentar von H. J. Westphal

DISORDER oder „DIE LUST AM UNTERGANG“

    Hans-Jürgen Westphal, Kreisverband Frankfurt und Beisitzer Senioren im Landesvorstand

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bevor Ihr Euch über Anglizismen aufregt: Es gibt Begriffe, die in der englischen Sprache so zutreffend sind, dass sich eine Übersetzung ins Deutsche verbietet!

„Nichtordnung“ klingt blöde und „Unordnung“ trifft es nicht.

 

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Das, was seit etwa drei Jahren in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt vor sich geht, kann niemand mit Unordnung bezeichnen! Unordnung herrscht im Kinderzimmer und in der Küche.

Das jedoch, was derzeit außerhalb der heimischen vier Wände passiert, ist in der Summe recht abenteuerlich oder treffender beschrieben: beängstigend!

Allein aus dem Raum Syrien und Afghanistan sind mehr Menschen auf der echten Flucht vor Krieg und Vertreibung, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Aus dem nordafrikanischen Raum setzen sich Millionen junger Männer Richtung Europa in Bewegung; mit leeren Taschen, aber einem Smartphone in der Hand. Darauf Mails mit falschen Versprechungen, Lügen und Hinweisen zum Durchmogeln.

Diese Menschen sind keine Kriegsflüchtlinge und haben überwiegend keine reelle Chance auf Asyl und Bleiberecht!

Trotzdem stellen sich viele Mitbürger und Mitbürgerinnen hin und propagieren ein Bleiberecht für alle. Damit verringern sie die Chancen, den wirklichen Flüchtlingen vernünftig helfen zu können.

Aus meiner Sicht entsteht dadurch eine für die Mehrheit der Bevölkerung unhaltbare Grundsituation mit zunehmend rechtsfreien Räumen, in denen sich Parallelgesellschaften entwickeln, deren Ziel einzig ein Leben in vermeintlichem Wohlstand ist – ohne Pflichten, aber mit allen Rechten!

Genau diese Räume bereiten der Polizei (als ausführendes Organ der parlamentarischen Entscheidungen) wie auch der Justiz und der Verwaltung zunehmend Sorge.

Die Polizei muss sich seit Jahren mit den vorhandenen – und politisch geduldeten beziehungsweise gewollten – Freiräumen befassen. Und Ihr, meine Kolleginnen und Kollegen wisst, dass wir in diesem Be- reich immer wieder im Stich gelassen werden!

Begünstigt durch die Fehlentwicklungen der letzten Jahre entstehen neue, zusätzliche Problemzonen, die von der Mehrheit hierzulande nicht gewollt sind, aber von Minderheiten gefördert und geschützt werden. Hier „wedelt der Schwanz mit dem Hund“! Das ist schlicht und ergreifend inakzeptabel und unverschämt!

Ich schiebe diesen Artikel schon länger vor mir her. Immer wieder gab und gibt es neue Aspekte und neue Aufreger. Nun ist die 2017er-Bundestagswahl vorbei und „die Karten liegen auf dem Tisch“. Ob die Politik daraus lernen wird, bleibt fraglich, scheint aber eher unwahrscheinlich.

Ich hatte mir zu den polizeilich relevanten Fragen die im Wahl-O-Mat hinterlegten Aus- sagen der fünf zur Regierungs- bildung infrage kommenden Parteien durchgelesen. Das Ergebnis war beziehungsweise ist ernüchternd: Drei der im neuen Bundestag vertretenen Parteien sind generell gegen eine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

Zwei große Parteien haben sich nicht endgültig festgelegt und drehen sich wie Fähnchen im Wind. Der Rest ist hinlänglich bekannt ...

Das, Ihr Lieben, ist aber nur ein Thema auf einer langen Liste von Ungereimtheiten. Es wäre müßig, an dieser Stelle nochmals auf all die täglichen Einzelfälle einzugehen, die Kopfschütteln, Ratlosigkeit und Zorn in unseren Köpfen hervorrufen. Trotzdem lohnt es sich, die wichtigsten Schlaglichter mal in einem Konsens zu nennen:

Wie kommt es, dass eine einzelne Figur in einem Land, das auf der globalen NASA-Karte einen schwarzen Fleck zwischen den Lichtern Südkoreas und Chinas darstellt, glaubt, die Welt mit Atomraketen bedrohen zu können und offensichtlich bereit ist, uns alle auf dem Altar des Größenwahns zu opfern?

Wie kommt es, dass eine Terrormiliz über Jahre hinweg aus besetzten Gebieten ungestört Öl verkaufen kann und Länder genau diese Miliz mit Tausenden nagelneuen Pick-Ups, aufmontierten Maschinengeweh- ren und sonstigem Mordwerkzeug austatten? Und die Weltgemeinschaft schaut diesem Morden und Wahnsinn jahrelang zu!

Wie kommt es, dass seit Jahren ein Bürgerkrieg nicht nur geduldet, sondern offensichtlich gefördert und am Leben erhalten wird, weil ein Land nicht seinen vorbestimmten Platz im internationalen Machtgefüge einnimmt, sondern seinen eigenen Weg gehen wollte?

Wie kommt es, dass sich junge Muslime plötzlich von fraglichen Vorbildern zu einem grenzenlosen Hass aufstacheln lassen und bereit sind, alles und jeden zu töten, der nicht ihrem Weltbild entspricht?

Wie kommt es, dass Menschen auf Autobahnen ausrasten, wenden und blockieren, dass Menschen Unfallopfer beim Sterben filmen, statt zu helfen, dass Menschen Vergewaltigungen filmen und live ins Netz stellen und Politikerinnen vor laufender Kamera erklären dürfen, dass brennende Polizei- und Privatfahrzeuge anlässlich politisch motivierter Gewalt „normal sind“ und „ein paar schwarz gekleidete Personen“ angeblich keine Gefahr darstellen, obwohl die Zahl der verletzten und bisweilen auch getöteten Polizeibediensteten stetig steigen?

Bei all diesen „Mitbürgern und Mitbürgerinnen“ wäre es wichtig zu fragen, wo deren destruktive Grundhaltung gegen- über Staat und Gesellschaft und fehlende Empathie gegenüber Mitmenschen herkommt.

Ist das nicht die Grundform von „Disorder“?

Sind es nicht die zunehmende Zahl von Politikern, von Journalisten, von Sängern, von Musikgruppen (Bands) und sonstigen „Kulturschaffenden“, die permanent gegen unsere Gesellschaftsordnung hetzen und die endlose Sendezeiten mit ihrer vorgeblich „neutralen“ Berichterstattung füllen, obwohl heut- zutage eigentlich jedermann weiß, welchen Senderman wählen muss, um ganz bestimmte Meinungen zu hören?

Und ist es nicht eine zunehmende Zahl von Journalisten, die schon lange nicht mehr objektiv recherchierten und neutral berichten, sondern ausschließlich subjektive Wahrheiten und eigene Meinungen (die aber nicht als solche gekennzeichnet sind) verbreiten?

Ich sehe hier deutliche Parallelen zu anderen, teils antiken

Zivilisationen, in denen die Errungenschaften der vorangegangenen Generationen durch genau solche Kräfte beseitigt wurden. Scheinbar gibt es ungeschriebene Gesetze, nach denen der gesellschaftliche Wandel zwangsweise stattfindet und die Entropie als Ausdruck dieser größtenteils negativen Veränderungen einen festen soziologischen Faktor darstellt!?

Auch hier gibt es einen Anglizismus, den ich schon seit den frühen 70er-Jahren kenne: „What goes up, must come down!“

Ist es nicht so ? Ein Blick in die Physik kann das bestätigen: So wie ausgestrahltes Licht und Wärme immer eine Wellenbewegung benötigen, um ihre enthaltene Energie zu transportieren, benötigt das Leben auch immer dieses „Oben und Unten“.

Oben waren wir lange. Was jetzt kommt, kann im günstigsten Fall eine Konsolidierung auf einem niedrigeren „Energieniveau“ sein. Diese Veränderung zeichnet sich ab in Zumutungen wie der Erhöhung des Rentenalters, der Reduzierung öffentlicher Leistungen und der beabsichtigten Reduzierung des deutschen Grundwortschatzes auf 750 Wörter. Man beachte: Für Trivialliteratur galt bislang die Faustregel von durchschnittlich 1 500 Wörtern. Das Goetheinstitut listete zuletzt rund 1 400 Wörter auf.

Vor diesem Hintergrund und den sprunghaft steigenden Übergriffen auf Polizei, Feuerwehr und Rettungspersonal stellt die globale Entwicklung für mich und alle meine Verwandten und Bekannten sowie den Kollegenkreis eine neue, bedenkliche Eskalationsstufe dar, die unsere ohnehin fragile Gesellschaftsordnung weiter schwächen wird!

Zu Ende geschrieben habe ich diesen Artikel vor folgenden Morgenmeldungen im Radio: In der letzten Nacht brannte in Frankfurt der Goetheturm; vorsätzlich abgefackelt – einfach mal so. In der gleichen Nacht wird in Offenbach eine Autofahrerin mit der Bitte um Hilfe in eine Seitenstraße gelockt und in einem bereitstehenden Lkw vergewaltigt – einfach mal so.

Zwei Meldungen aus einer Nacht ... kein Sachzusammenhang ... und doch ergibt es zwei neue Mosaiksteinchen im großen Gesamtbild: „Disorder oder die Lust am Untergang!“

Es wäre schön, wenn ich ein paar Kommentare/Rückmeldungen zu diesem Thema bekommen würde!

Vielleicht seht Ihr diese Problematik ja deutlich entspannter – oder auch nicht. Ach ja, einen hätt’ ich noch: Deutschland, Weihnachten 2017. Die Weihnachtsmärkte wurden mit Beton und Stahl gesichert – Die Grenzen bleiben offen.

©H. J. Westphal, KV Frankfurt am Main

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