03. Februar 2017

Gleichstellungsbeauftragte Andrea Holl

Arnold Plickert liegt falsch

In einem Interview des Senders N-TV schlug Arnold Plickert, Vorsitzender der GdP NW vor, den Frauenanteil bei der Polizei zu reduzieren. Denn Frauen, so sein Statement, seien nur begrenzt einsetzbar.Sein Vorschlag fußt in der massiv zunehmenden Gewaltbereitschaft gegenüber der Polizei - insbesondere gegen Polizistinnen als dem vermeintlich schwächsten Glied bei den Vollzugsbeamten.

Als Gleichstellungsbeauftragte der DPolG Hessen entsetzt mich eine solche Aussage und macht mich wütend. Denn dieser Vorschlag ist nicht nur diskriminierend, sondern geht an der Lösung des Problems total vorbei.

Plickert hat einen völlig falschen Ansatz. Der Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst im Allgemeinen (und der Polizei im Besonderen) begegnet man nicht mit einer Reduzierung des Anteils weiblicher Beschäftigter. Dies wäre die Kapitulation des Rechtsstaats vor der Gewalt bzw. den Gewalttätern.

Wen möchte Plickert als nächstes nicht mehr bei der Polizei haben? Sollen demnächst kleinere beziehungsweise dünnere Polizisten aussortiert werden?

Darf es zukünftig nur noch zwei Meter große, muskelbepackte Polizisten geben?

Die Lösung des Phänomens ist anders herbeizuführen, als jetzt in Nordrhein-Westfalen vorgeschlagen. Gewalttäter müssen lernen, Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes zu respektieren, egal ob Ihnen Männer oder Frauen gegenübertreten (und im Einzelfall Weisungen erteilen)!

Flankierend gehört respektloses Verhalten gegenüber Staatsbediensteten strafrechtlich geahndet. Mit eigenen Paragraphen (außerhalb des Komplexes ‚Widerstand gegenüber Vollzugspersonal’) sollten gewalttätige bzw. respektlose Handlungen gegen Personen, die unseren Rechtsstaat repräsentieren, unter Strafe gestellt werden. Und damit einhergehend sollte auch die Strafandrohung bestehender Strafvorschriften angehoben werden, um auch damit potentielle Täter abzuschrecken.

Forderungen in dieser Richtung stehen schon lange auf der Agenda der DPolG Hessen. Die Politik muss diejenigen wirksam schützen, die mit dem Vollzug der von ihnen erlassenen Gesetze und Verordnungen beauftragt sind. Dabei darf es keine Rolle spielen, ob die Einhaltung der Vorschriften von Frauen oder Männern überwacht wird.

Wenn staatlicherseits angefangen wird, vermeintlich körperlich „schwaches“ Vollzugspersonal auszusortieren, um so der steigenden Gewaltbereitschaft zu begegnen, ist das die Kapitulation des Staates vor der Gewalt!

Unser hoheitliches Gemeinwesen ist Inhaber des staatlichen Gewaltmonopols. Niemand sonst!

Den Lösungsansatz so auf das angeblich „schwache“ Geschlecht zu reduzieren, ist eines Gewerkschaftsfunktionärs unwürdig. Zudem ist Plickerts Vorschlag frauenfeindlich und zutiefst unkollegial!

Jede einzelne unserer Kolleginnen ist wichtig und wird gebraucht! Frauen und Männer arbeiten seit vielen Jahren in der Polizei erfolgreich zusammen!

Das soll auch zukünftig so bleiben.

Was nicht bleiben darf ist das Einknicken vor dem Verhalten respektloser (Gewalt)Täter!

 

Andrea Holl

Gleichstellungsbeauftrage

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